Compañerismo

Jeden Dienstag (1.-6. Klasse) und jeden Mittwoch (7.-11. Klasse) finden in der Schule 25-minütige Gottesdienste vor dem Unterricht statt. Diese werden von verschiedenen Themen (sogenannten Werten) überschrieben, die die Klassenlehrer parallel in kleineren Andachten auch mit ihren Klassen behandeln. Ziel ist es, eine auf biblischer Grundlage basierende ganzheitliche Erziehung zu geben. Zu Beginn des Schuljahres lautet das Thema compañerismo (dt. Kollegialität, Kameradschaftssinn).

Diese Woche wurde die Bedeutung des Wortes compañerismo verdeutlicht. In compañerismo stecken die lateinischen Wörter comedere (dt. essen) und panis (dt. Brot) – im Spanischen heißt Brot pan. Compañerismo bedeutet daher so viel wie: „das selbe Brot essen“. Eine wunderschöne Bedeutung dessen, was echte Gemeinschaft ausmacht. Als Christen denken wir direkt an zwei verschiedene Arten von Brot: das Wort GOTTES, welches wir gemeinsam lesen, und der für uns geopferte Leib Christi, der beim Abendmahl als Brot dargestellt wird, welches wir miteinander teilen. Echter compañerismo kann nur unter Christen zu finden sein, weil sie durch Jesus Christus verbunden sind.

 

1 Kommentare

Hausbesuch und Schuljahresanfang

Von Jonathan: Am Donnerstag fand der Hausbesuch bei dem Jungen statt. Um anzukommen, mussten wir uns durchfragen und stießen dabei auch auf den Onkel des Jungen (er ist von sieben Tanten/Onkels) der einzige, der in Curahuasi wohnt und Verantwortung für den Jungen übernehmen könnte. Der Onkel war gerade bei der Feldarbeit als Tagelöhner tätig und trank Chicha (alkoholisches Maisbier). Es dauerte, bis wir ihn überzeugen konnten, mitzukommen. Er sollte für uns übersetzen, da die Großeltern fast kein Wort Spanish sprachen. Das Haus der Großeltern des Jungen ist nicht so weit weg von Curahuasi, aber doch ist die Welt dort ganz anders. Der Junge hatte ein eigenes Zimmer - ohne Fenster, ohne Licht, nicht abgedichtet und sein Besitz war ein kleines Regal, Essen in Tüten aufgehangen und ein Bett aus Holzbrettern mit mehreren schweren Decken, aber ohne Matratze. Das Gespräch mit ihm und seiner Familie war sehr nett. Er war sehr schüchtern, machte aber deutlich, dass er unbedingt kommen wolle. Wir erklärten alles sehr genau und Tante und Onkel übersetzten für die Großeltern ins Quechua. Wir hatten noch eine Voraussetzung: am nächsten Tag sollten alle nochmal in die Schule kommen und eine Erklärung unterschreiben, in der sie versichern, dass sie dem Jungen helfen (Schulsachen organisieren, an Elternabenden teilnehmen, etc.). Sie kamen leider nicht. Ich war sehr aufgeregt und habe x-mal aus dem Fenster geschaut, ob sie endlich auftauchen würden. Sie kamen aber leider nicht. Ich denke, dass dem Jungen dadurch eine sehr große Chance in seinem Leben genommen wurde/entgangen ist, möchte das jetzt aber einfach aus GOTTES Hand nehmen. Ein weiterer schwieriger Junge, der in meine Klasse kommen sollte, ist ebenfalls nicht aufgetaucht. Für mich ist das mit Sicherheit eine Entlastung, trotzdem hätte ich diese "Aufgabe" aber gerne auch angenommen.

Mich hatte der Hausbesuch so beeindruckt, dass ich am Abend kaum etwas essen konnte. Ich habe mich immer wieder gefragt, was der Junge an diesem Abend essen würde. Nicht, dass er gar nichts zu Essen hätte, aber als ich die Vielfalt auf unserem Abendbrottisch sah, wurde mir wieder bewusst, wie dankbar ich dafür sein kann.

Schulanfang

Am Freitagmorgen ging es los. Das Schuljahr startete mit etwa 350 Schülern. Zunächst gab es die obligatorische Formation mit Nationalhymne und dem Fahnenappell, danach fand ein Schulgottesdienst statt und im Anschluss hatte jeder Klassenlehrer Zeit, seine Klasse kennen zu lernen. Mein erster Eindruck war recht positiv, auch wenn es nicht mit einem deutschen Gymnasium vergleichbar ist. Manche haben zwei Minuten gebraucht, um ein Namensschild anzufertigen, andere hatten nach fünf Minuten noch nicht angefangen - und das in der 7. Klasse! Ich freue mich auf jeden Fall auf die Zeit und hoffe und bete, dass ich für die Schüler zum Segen sein darf.

Luana hat sich wieder sehr gefreut, in den Kindergarten gehen zu dürfen. Jaron wollte auch am liebsten dort bleiben, damit muss er aber noch ein Jahr warten.


2 Kommentare

Dringende Gebetsanliegen: Klassenlehrer, Schüleraufnahme

Von Jonathan: Das neue Schuljahr beginnt am Freitag und damit auch neue Herausforderungen. Ich werde zum ersten Mal eine Klassenleitung übernehmen (1. Klasse der zweiten Schulstufe, entspricht in Deutschland der 7. Klasse). Gleichzeitig habe ich im Deutschunterricht Kinder aus acht verschiedenen Klassenstufen, was sich besonders in der Vorbereitungszeit bemerkbar macht.

Wegen der Klassenleitung bin ich besonders aufgeregt, weil ich noch nicht ganz überblicken kann, was mich erwartet. Zurzeit werden an der Schule viele Dinge umgestellt und es gibt dutzende Dokumente, die erstellt oder ausgefüllt werden müssen – Peru ist diesbezüglich also schon genauso „entwickelt“ wie Deutschland. Eine Klassenleitung an unserer Schule ist natürlich auch mehr, als Zeugnisse zu schreiben und eine Klassenfahrt zu organisieren. Der Betreuungsaspekt ist viel ausgeprägter. So muss ich zum Beispiel jede Familie mindestens einmal im Schuljahr besuchen. Einige Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen und müssen besonders betreut werden. Die vorherige Klassenlehrerin dieser Lerngruppe sagte mir, dass ich wie ein Vater einer Familie sein müsste. Eigentlich ist es ja auch etwas, was ich mir an meiner Arbeit in Curahuasi gewünscht habe: für heranwachsende Peruaner in vielfacher Hinsicht da zu sein. Ich fühle mich aber noch lange nicht bereit, dies mittels fremder Sprache in einer fremden Kultur zu sein. GOTT muss mir dazu alles geben – bitte bittet IHN darum!

Und als wenn mich das nicht schon genug herausfordern würde, hat sich jetzt ein Junge mit besonders schwierigem familiärem Hintergrund an unserer Schule beworben, um in meiner Klasse aufgenommen zu werden. Er ist Vollwaise und wohnt bei seinen Großeltern, die nur Quechua sprechen können. Seine Geschwister leben bei Verwandten in Lima. Er ist von seiner Entwicklung her weit zurück und auch seine Einstellungstests haben gezeigt, dass er akademisch großen Nachholbedarf hat. Er soll mit 14 Jahren in eine Klassengemeinschaft kommen, die im Durschnitt zwölf Jahre alt ist, obwohl er schätzungsweise mind. zwei Lernjahre hinter ihnen zurück ist…etc. Seine Großeltern werden ihm kaum die nötige Unterstützung ermöglich können. Unsere Sozialarbeiterin und unsere Psychologin wollen nun vor allem von mir wissen, ob ich mich dieser zusätzlichen Herausforderung stellen möchte. Ich müsste auf jeden Fall auch eine Vaterrolle für ihn übernehmen und ihn besonders intensiv betreuen – mehr noch, als es einzelne eh schon nötig haben. Morgen um 14:30 Uhr (20:30 dt. OZ) besuchen wir ihn und seine Familie zuhause und danach müssen wir schnellstmöglich entscheiden, ob er am Freitag beim Schulstart dabei sein darf oder nicht.

Bitte betet um Weisheit für uns!

Weiteres Anliegen: Wir haben noch einige freie Schulplätze. Betet, dass sie besetzt werden.

1 Kommentare

Während der Ferien

Von Jonathan: Seit einigen Wochen haben die Schüler unseres Colegios Ferien. „Unterrichtsfreie Zeit“, betonen die Lehrer in Deutschland um auszudrücken, dass sie zwar nicht unterrichten, aber bis zum Halse in Arbeit stecken.  😉 (für junge Lehrkräfte kann ich das auch bestätigen…)

Am Colegio Diospi Suyana läuft das anders. Während die anderen Kinder ihre Ferien genießen oder während der Januarwochen am Ferienprogramm teilnehmen (Sport, Tanzen, Basteln, Kochen, …), schwitzen die deutschen Kinder, die nicht im Heimataufenthalt oder im Urlaub sind, im Deutschraum und lernen. Manche täglich für mehrere Stunden, andere nur ab und zu. Ich bin täglich da und betreue sie mit Hilfe der Lernhelfer. Am Nachmittag und wenn keine oder wenige Schüler da sind, bereite ich die Materialien vor.

Seit dieser Woche sind auch die anderen Lehrkräfte wieder vor Ort. Sie müssen an unseren schulinternen Curricula weiterarbeiten oder an Fortbildungen, Informationsveranstaltungen, etc. teilnehmen. Unser Februar ist nun voll verplant. Wir haben uns sehr viel vorgenommen und beten, dass GOTT Gnade schenkt, dass wir wenigstens ein Großteil davon schaffen.

Für mich ist diese Vorbereitung besonders spannend, weil ich zum ersten Mal eine Klassenleitung übernehme. Ich hoffe und bete, dass ich mich selbst damit nicht übernehme. Das Spanische ist und bleibt dabei die größte Herausforderung.

Mandy hatte gestern ihre erste Teamsitzung. Sie arbeitet im kommenden Schuljahr mit den Kindern, die in ihrem letzten Kindergartenjahr sind. Sie soll sie auf die Schule vorbereiten. Dazu wird sie sich einen zusätzlichen Raum mit unserer Logopädin teilen. Dafür wird sie auch sehr viel vorbereiten müssen, weil es bisher kaum Materialien gibt.

Für Euch bedeutet das mal wieder, dass Ihr uns im Gebet tatkräftig unterstützen dürft. 😊

 

2 Kommentare

Unser Streichelzoo

Was wir an Peru (besonders) gerne mögen (4)

Manches ist in Peru echt unkompliziert. Wenn man irgendwelche Tiere halten will, dann macht man es einfach. In Deutschland wäre es zum Beispiel undenkbar, einfach Schweine in seinem Garten zu halten. Unsere Nachbarn, Familie Tielmann, beherbergen Schnitzel und Kotelett - noch! Bald dürfen die beiden ihrer Namensbestimmung nachgehen. ;-)

Wir haben da eher kleinere (Meer)Schweine. Eine Mama, die kürzlich drei kleine Babys zur Welt gebracht hat. Dadurch, dass die Meerschweinchen bei uns zur Welt gekommen sind, sind sie auch recht zahm. Kürzlich haben wir mit einem deutschen Schüler von Jonathan zwei unserer Babys gegen ein großes Männchen eingetauscht.


Außerdem haben wir Hühner. Vor einem halben Jahr haben wir vier junge Hühner auf dem Markt gekauft. Eines ist irgendwann gestorben und zwei haben immer wieder gekämpft. "Komisch", dachten wir und haben uns Expertenmeinungen eingeholt. Die zwei werden wohl nie Eier legen wurde uns gesagt. Nach ein paar Wochen war das auch deutlich zu sehen: aus zwei zahmen lieben Hühnern wurden stattliche Hähne. Ups!

Einen haben wir mit einer Nachbarin gegen ein Huhn eingetauscht. Den anderen Hahn wollte Jonathan behalten. Allerdings hat er sich in der Rangordnung langsam hochgekämpft. Zunächst wurde Mandy durch den Garten gejagt, dann Jaron und Luana (diese Reihenfolge hat der Hahn bestimmt...), als er dann auch einmal Jonathan angriff war Schluss. Er wurde auch eingetauscht. Mittlerweile dürften beide Hähne heiß gebadet haben. Unsere Hühner (Hanne, Anna, Heidi und Joey) sind total lieb und sehr zahm. Anna hat Jonathan einfach mal auf der Straße gekauft, als ein paar Frauen auf der Durchreise mit einer Menge Geflügel und anderem Getier waren (siehe Fotos).


Jonathan hatte Jaron und Luana zwei Katzen versprochen. Diese sollten sie in Curahuasi bekommen. Gesagt, getan. Keo und Nuna machen uns große Freude (siehe Blogeintrag vom 15.07.2018). Seit sie unseren Garten verlassen, haben sie auch Kontakt zu den Nachbarskatzen. Wie intensiv dieser Kontakt war, hat uns Nuna nun gezeigt. Sie ist jetzt stolze Mama von drei Babys.


Insgesamt hatten wir in unsren sieben Monaten in Peru fast 40 (!) verschiedene Kaninchen. Wir haben zwei Kaninchen übernommen, die in einem großen Tunnelsystem mehrfach geworfen haben. Kaninchen haben zwei Gebärmuttern und die wurden auch voll ausgenutzt. Die Kaninchen verkaufen oder verschenken wir dann. Anfang Januar hatten wir zu einem Zeitpunkt 30 Tiere! Vier Hühner, fünf Katzen, fünf Meerschweinchen und 16 Kaninchen. Mittlerweile haben wir nur noch ein Kaninchen. Vielleicht steigen wir jetzt auf eine Meerschweinchenzucht um. Wäre der Garten größer, könnte man auch über Truthähne nachdenken.

(Update: In dieser Woche entdeckte Mandy plötzlich fünf kleine Babykaninchen. Sie sind noch viel zu klein um draußen zu sein. Die Mutter buddelt den Bau immer wieder zu und öffnet ihn nur, um die Kleinen zu säugen. Wir dachten, wir hätten das hinter uns, weil der Vater aller Kaninchen schon seit vier Wochen nicht mehr bei uns ist. Da waren wir wohl eine Woche zu spät...)


mehr lesen 1 Kommentare