Nächtliche Nachbarschaftshilfe

Spät abends um kurz vor 22 Uhr klopfte es plötzlich an unserer Haustür. Normalerweise schlafen wir um diese Zeit schon. Wir öffneten das Fenster und ein Nachbar stand vor der Tür und sagte langezogen: "Un favor graaande, por favor." („Einen großen Gefallen, bitte.“). Seine Frau läge in den Wehen und bräuchte dringend medizinische Betreuung. Da wir bei Diospi zu dieser Zeit leider keinen Gynäkologen hatten, konnten bei uns keine Geburten durchgeführt werden. Jonathan fuhr sie daher zur örtlichen Gesundheitsstation.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir dieser Familie geholfen haben. Alle zwei Wochen werden sie von uns mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt. Dabei wurde deutlich, wie ihr Wohnzustand ist und Mandy hat gemeinsam mit unserer Haushaltshilfe geputzt und für Ordnung gesorgt – Klamotten sortiert und aufgeräumt. Vor einigen Wochen hat die Mutter Mandy gefragt, ob sie ihre Kinder waschen könnte. Seit ihr Mann zehn Tage zuvor zum Arbeiten weiter weggefahren wäre, könnte sie die Kinder mit ihrem Schwangerschaftsbauch nicht mehr waschen. Es war bereits bitter nötig, die Kinder zu baden.

Mittlerweile ist der vierte Sohn der Familie gesund zur Welt gekommen. Er hat allerdings noch keinen Namen. Dafür hat man in Peru vier Wochen Zeit. Und was der Peruaner heute nicht unbedingt muss besorgen, das verschiebt er gern auf morgen…

Beim Besuch ihres Neugeborenen haben sie uns erzählt, dass sie in der Nacht noch in die Bundeshauptstadt Abancay gefahren werden mussten. Wegen Covid werden in der Region gerade leider keine Geburten durchgeführt. Abancay ist etwa zwei Stunden, sehr viele Kurven und einen Pass von über 4.000 Höhenmeter entfernt (siehe Karte). Nicht gerade angenehm für eine Gebärende…

 

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Wirtschaft

Teile von Perus Wirtschaft wurden von der Corona-Krise hart getroffen. Wenige Wochen nach dem landesweiten Lockdown hatte über ein Drittel aller Peruaner ihre Jobs verloren. In der Region um Cusco wurde insbesondere die Tourismusbranche hart getroffen. In Städten wie Aguas Calientes (Machu Picchu Pueblo), wo sonst ein täglicher Umsatz von 1,5 Millionen Euro zu verzeichnen war, werden derzeit Hotels und Restaurants ausgeräumt. Viele versuchen so viel wie möglich von ihrem Besitz mit dem Regionalzug zu transportieren. Dabei warten sie teilweise tagelang auf dem Bahnhof, um einen Platz im Zug zu ergattern. Sie haben die Angst, dass noch jahrelang keine Touristen kommen werden. Und nachdem die archäologischen Stätten am letzten Freitag wieder geöffnet wurden, dann aber drei Tage später erneut geschlossen wurden, ist diese Angst (fast) verständlich.

In Curahuasi ist die Zeit der Ernte vorbei und die vielen ungelernten Tagelöhner haben kaum eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Hier und da werden zwar wieder Häuser gebaut, die Arbeitsplätze bleiben aber dennoch rar. Viele reisen jetzt viele hunderte Kilometer weit weg, um im Regenwald in Minen oder an Bauprojekten des Staates mitzuarbeiten. Es sind daher vor allem die weniger Gebildeten, die zurzeit besonders leiden. Der Schaden, den Corona in Peru verursacht hat, wird noch viele Jahre spürbar sein.

 

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Baueinsatz

Von Jonathan: Seit mehreren Wochen fahre ich freitags mit Matthias Kügler zu einer Frau, ihrer Tochter und ihrer Enkelin, um ihnen Lebensmittel und Hygieneartikel zu bringen (siehe Blogartikel vom 26. Mai). Da die drei nachts unter einem Vordach draußen schlafen (siehe erstes Galeriebild), waren sie nachts völlig schutzlos.

Matthias hatte beschlossen, dass wir den Frauen zwei Wände mit verschließbaren Türen errichten, die sie dann auch besser vor der nächtlichen Kälte schützen. Dafür hatte er Material besorgt und vorbereitet und eine große Truppe zum Tragen und Mitarbeiten organisiert. Gestern führten wir dann diesen Baueinsatz durch (sie Bildergalerie mit Untertiteln).

Wir sind GOTT sehr dankbar dafür, dass er diesen Baueinsatz ohne Schwierigkeiten ermöglicht hat.

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Rundbriefanmeldung

Rundbrief Nr. 12 ist gerade in die Post gegangen. Wer sich auch dafür anmelden möchte, kann dies bei der VDM unter https://www.vdm.org/in-verbindung-bleiben/AC446000 machen. Dort findet ihr die links abgebildete Maske.

Wir verschicken den Rundbrief vierteljährlich.

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Warum ist der Mittwoch einer der schönsten Tage in Curahuasi?

Weil mittwochs frische deutsche Brotbackkultur auf den Tisch kommt!

Jeden Mittwoch bekommen wir frisch gebackene Brötchen aus dem Krankenhaus. Diese werden vom Backteam um Nelli Klassen und Matthias Kügler liebevoll zubereitet. Wenn man Mittwochvormittags ganz zufälligerweise mal in der Küche vorbeischaut und nett grüßt, darf man auch mal Neukreationen probekosten (siehe Fotos).

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